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Es passiert nicht häufig, dass man sich über eine ungenaue Berichterstattung der Kieler Nachrichten freut. Doch beim Bericht der KN vom 8.2.18 über den "Kleinen Dieselgipfel", der am vergangenen Mittwoch im Rathaus stattfand, ist das so. Da wird der Kieler OB Ulf Kämpfer im Zusammenhang mit tragfähigen Nahverkehrssystemen mit den Worten zitiert, dass man "dann auch über eine Regionalbahn, Straßenbahn oder Tram reden" müsse. Die KN haben ganz korrekt den Applaus im Publikum notiert. Was die KN beim OB-Zitat aber unterschlagen: "In 10 bis 15 Jahren". Und das klang eher so, als wenn eine Tram aus OB-Sicht in Kiel so etwas wie eine bemannte Marsmission wäre - und keine drängende Aufgabe für die Gegenwart.

Dass die Autorin der KN das mögliche Comeback der Schiene nicht, wie häufig in der Lokalpresse üblich, mit dem Attribut "umstritten" bemäntelte, sondern stattdessen quasi zu positiv berichtete: Ausgleichende Gerechtigkeit, sozusagen.

dieselgipfel kiel

Auf dem Papier klingt es gut, wenn auch nicht wirklich überambitioniert: Im Zuge des Masterplanes "100% Klimaschutz" der Stadt Kiel soll der Anteil des Radverkehrs in Kiel am Gesamtverkehr von 17% im Jahr 2015 auf 26% im Jahr 2050 steigen (Zum Vergleich: Kopenhagen hatte 2015 bereits 30% Radverkehrsanteil und plant bis 2025 mit 50%). Zitat: "Kiel versteht sich als Fahrradstadt".

Wie sieht es also mit der Förderung des Radverkehrs im Zuge der Südspangen-Planung aus? Gerade auch in Hinblick auf den rasant wachsenden Stadtteil Meimersdorf im Süden? Was man aus der bisherigen Vorplanung herauslesen kann ist folgendes: Eine bereits mäßige Situation wird katastrophal.

Aber eins nach dem anderen.

(1) An der B404 bei Kronsburg/Moorsee Blickrichtung Süden. Der rechte Radweg ist Fake.

Vertreter von SPD, CDU, SSW sowie die Vertreterin der Kieler FDP haben im Juni in einer gemeinsamen Pressemitteilung die Südspange als Maßnahme bezeichnet, die der Umwelt "zugute" komme, Anwohner "endlich von Verkehrslärm entlastet" und Pendlern nutze, die "ihre wertvolle Zeit nicht im Stau verschwenden wollen". Diese angebliche Entlastung zieht sich bereits seit Jahrzehnten durch die Argumentation der Befürworter.

Mit der Realität hat das wenig zu tun. Ausgerechnet die Prognosen, auf die sich berufen wird, sprechen da eine sehr deutliche Sprache, wenn man reale Zahlen von heute als Basis nimmt.

Verkehrsbelastung ausgewählter Straßen im Vergleich 2013 und 2025

"Zwei-Tausend-Fünfundviiierzig /
ja ihr werdet es schon seeeehn /
Wir holen die Meisterschaft und den Pokal /
Holstein Kiiiiel -
internationaaaaaal!"

holsten stadion 2045Diesen zweifellos von großer fußballerischer Expertise zeugenden Gesang, der seit einigen Jahren auf der Westtribüne des Holsteinstadions zu hören ist, nehmen wir als Ausgangspunkt, um über die Mobilität im Jahr 2045 in der Landeshauptstadt Kiel zu sprechen. Denn neben der alljährlich Ende September bei gutem Wetter stattfindenden Kieler Woche sind es gerade die Heimspiele der KSV Holstein, die die größte Herausforderung für die Verkehrsinfrastruktur an der Förde darstellen. Nicht nur zu den traditionellen Nordderbies gegen Werder Bremen oder Altona 93 strömen über 33.000 Fans in das für sündhaft viel Sponsorengeld umbenannte "Holsten-Stadion". Auch europäische Top-Teams wie Arsenal London, Degerfors IF oder Atalanta Bergamo geben sich mittlerweile am Westring 501 die Klinke in die Hand.