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Fast die gesamten 90er-Jahre hatte ich einen direkten Blick von meinem Bett auf den Überflieger am Barkauer Kreuz. Wenn ich Anfang der 90er mal nachts mit Walkman vom Subway in der Bergstraße nach Hause spazierte, nahm ich einfach den direkten Weg vom Lübscher Baum zum Hornheimer Weg. Unterm Überflieger, zu Fuß direkt über den Ring. Eine echte Abkürzung, aber auch recht unübersichtlich. Später kamen unterm Überflieger Leitplanken hinzu, die man zusätzlich übersteigen musste. Manchmal gab es damals auch Leute, die diesen Weg sogar tagsüber nahmen. Heutzutage würden das sicher nur noch Lebensmüde machen, denn der Verkehr hat doch noch um einiges zugenommen. Ich wohne jetzt etwa 250 Meter stadteinwärts. Den Ring überquere ich trotzdem noch mehrmals die Woche, wenn ich mit dem Rad in den Garten will. Aber sicherlich nie auf dem direkten Weg.

Barkauer Kreuz - am Überflieger

Es dauerte ein Vierteljahrhundert bis zum letzten Freitag, dass ich wieder einmal den Theodor-Heuss-Ring vom Lübscher Baum aus zu Fuß betreten konnte. Und es fühlte sich wirklich sehr gut an.

autofrei kiel kleinDie "TurboKlimaKampfGruppe Kiel" (TKKG) als Initiatorin der "Kiel Autofrei"-Demo vom 26.4.19 hat im Nachklapp eine Pressemitteilung veröffentlicht.

An dieser Stelle möchte sich Bielenbergkoppel.de als Mitaufruferin mit großem Respekt bei allen Beteiligten für diese wundervollen - und vielleicht schon fast historischen - Tag bedanken.

Pressemitteilung TKKG, 28.4.19

Zu der Demonstration unter dem Motto "Verkehrswende statt Rush Hour" über den Theodor-Heuss-Ring kamen am Freitag knapp 2000 Menschen. Mit Fahrrädern, Skateboards und Gehmobilen brachten sie ihre Unzufriedenheit mit der Kieler Verkehrspolitik zum Ausdruck. Aus der Demonstration heraus entwickelte sich auf dem Theodor-Heuss-Ring eine Sitzblockade.

autofrei kiel kleinAuch in Kiel ist viel von einer "Verkehrswende" die Rede. Doch was ist davon zu halten, wenn einerseits im sogenannten Masterplan Mobilität festgeschrieben ist, dass der Autoverkehr bis 2035 in Kiel um 40% sinken soll, aber gleichzeitig neue Schnellstraßen wie Südspange und Ostring II geplant werden, die für mehr Verkehr sorgen werden?

Und ist es nicht bezeichnend, dass das einzige echte Vorzeigeprojekt, die Veloroute 10, auf einer ehemaligen Güterbahntrasse entsteht? Weil man dort nämlich dem Auto kein Platz wegnehmen musste?

Auch zur kommenden OB-Wahl werden wir wieder Sonntagsreden von einem Oberbürgermeister hören, der vor grünem Publikum viel von "Verkehrswende" redet und sich gleichzeitig bei der IHK für ein Bekenntnis zur Südspange feiern lässt.

Offensichtlich ist der Druck noch nicht groß genug, dass Bund, Land und Stadt Kiel umsteuern und knappe Ressourcen nicht mehr für neue Straßen verschwendet werden. Und dass endlich dort investiert wird, wo es am dringendsten nötig ist:

Für die Bekämpfung des Klimawandels, der alle betrifft.
Auch SUV-Fahrer und alle Anderen, die nach dem Motto "Nach mir die Sintflut!" auf Kosten folgender Generationen leben.

Der Demo-Aufruf von 20 Initiativen aus Kiel und Umgebung für die Autofrei-Demo am 26.4.19, die auch über den Theodor-Heuss-Ring laufen wird:

Kiel, den 23.1.19 [vorab per Mail. Zur Berichterstatung der KN vom 11. Februar siehe Anmerkung am Ende]

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für die Zusendung ihrer Umfrage zu den geplanten Maßnahmen zur Reduzierung der Stickoxidbelastung am Theodor-Heuss-Ring in Kiel. Gleichzeitig beziehe ich mich in diesem Schreiben auf Ihre Pressemitteilung vom 18.12.2018 zum Luftreinhalteplan.

Anschreiben und Umfrage der IHK Kiel

Leider ist Ihnen in der Umfrage bei der Formulierung der Fragestellung und Auswahl möglicher alternativer Maßnahmen zur Reduktion ein schwerer sachlicher Fehler unterlaufen.

Als mögliche Maßnahme zur Reduktion der NOx-Werte nennen Sie den Bau der Südspange.

Diese hätte aber auf den Theodor-Heuss-Ring westlich des Barkauer Kreuzes, wo heute die NOx-Grenzwert-Überschreitungen gemessen werden und gerichtliche Fahrverbote im Raum stehen, keinerlei entlastenden Einfluss.

Bei der Verkehrszählung 2013 wurde dort eine tägliche Belastung von 106.000 KFZ/Tag festgestellt. Das Tiefbauamt Kiel beziffert aktuell die Belastung mit 110.000 Fahrzeugen.

Ortsbeirat Meimersdorf / Moorsee zum Thema A21

Man kann es drehen und wenden, wie man will: "bielenbergkoppel.de" ist nicht wirklich eine Fan-Seite für automobile Infrastrukturprojekte des Bundes, sofern es um Neu- oder Ausbauten von Bundesstraßen oder Autobahnen geht. Egal ob es sich um die A100 in Berlin, die "Küstenautobahn" A20 oder die A21 handelt. Von der Kieler Südspange und Ostring II, die eines Tages durch den Kieler Grüngürtel geführt werden sollen, ganz zu schweigen. Es ist auch nicht so, dass man von Natur aus ein Mitgefühl für das große Leid entwickelt, das Autofahrern durch zu kleine Straßen angetan wird, wenn man seit 28 Jahren in Sicht-, Hör- und Riechweite des Barkauer Kreuzes wohnt und arbeitet. Und in dieser Zeit die Autos nicht nur immer größer wurden, sondern gleichzeitig immer weniger Menschen darin sitzen.

Insofern war der Besuch der jüngsten Sitzung des Kieler Ortsbeirates Meimersdorf / Moorsee eine kleine Sensation für den Schreiber. Nicht, dass hier jetzt plötzlich "Nach uns die Sintflut!" bzw. "Her mit den Autobahnen!" gefordert wird. Aber dass man gleichzeitig mit einem "Autobahnermöglicher" und Autobahnbefürwortern mitleidet, ist doch schon mal was.

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Sehr geehrtes Premierenpublikum!

Ich darf Sie heute alle im Namen des Autobahnkino Bielenbergkoppel herzlich zu dieser Eröffnung begrüßen. Freuen wir uns auf Höhepunkte der Filmkunst, die es hier an dieser Stelle in Zukunft geben wird! Vielleicht auch mal bei warmen Temperaturen.

Viele werden sich fragen: Wieso denn eigentlich "Autobahnkino"? Hier ist doch weit und breit keine Autobahn! Hier sind doch nur Matsch und kahle Bäume. Und sinnlos rumliegendes Laub. Und Tiere, die man nicht einmal grillen kann. Wer will denn schon einen Igel oder eine Ringelnatter grillen?

261 mal Daumen hoch und 10 mal Love zu 20 Haha, 5 Wütend und einer Trauer bei 4 Enthaltungs-"Wow". Gut 90% Zustimmung. Nicht für die ersatzlose Streichung von Politiker-Diäten oder Freibier für alle, sondern pro Schiene. So jedenfalls die Interaktion auf der Facebook-Präsenz der Kieler Nachrichten zum Beschluss der Kieler Ratsversammlung, einen neuen Anlauf für eine neue Stadtbahn zu nehmen. Stand 17.11.18, 13:10 Uhr.

Beliebter als Freibier: Stadtbahn für Kiel. (2)

Natürlich ist das keine repräsentative Umfrage. Doch wenn man weiß, wie an gleicher Stelle ansonsten städtische Großprojekte wie die "Ratsrinne" (Kleiner Kiel Kanal) oder mögliche Einschränkungen des Autoverkehrs kommentiert werden, ist das als Stimmungsbild mehr als beachtlich.

Beachtlich ist auch, mit welch großer Mehrheit der Beschluss am vergangenen Mittwoch gefasst wurde. Denn neben den üblichen Verdächtigen (Grüne, Linke, SPD) waren nicht nur "Partei", Piraten und SSW mit an Bord, sondern auch die FDP. Und selbst die CDU hat es angesichts interner Uneinigkeit zur Stadtbahn nur noch geschafft, einen gesichtswahrenden Pseudo-Alternativantrag zur Stadtbahn einzubringen, der letztlich eine Stadtbahn aber nicht ausschloss. Nur die sogenannte AfD blieb ganz außen vor und stimmte nach kurzem Anti-Statement am Ende überhaupt nicht mit. Gut so.

3. September 2018, Ortstermin in Warnau im Kreis Plön: Vier Männer posieren an einem Sandhaufen und werfen wie kleine Jungs den lockeren Sand von ihren vollen Spaten in die Höhe. Doch das Bild trügt: Zu sehen ist ein symbolischer Spatenstich für den Ausbau der B404 zur Autobahn A21 Richtung Kiel. Ein Spatenstich mit schon etwas älteren Herren für die Mobilität der Vergangenheit.

Spatenstich für die Mobilität von Gestern (KN, 4.9.18)

 
Einer der Beteiligten, der schleswig-holsteinische
Verkehrsminister Bernd Buchholz, wird tags drauf in den Kieler Nachrichten sinngemäß zitiert, dass die Landeshauptstadt endlich in die Puschen kommen solle, sich auf eine Variante zur Anbindung der A21 zu einigen. Gemeint ist damit unter anderem die Südspange Kiel Gaarden, die seit über 40 Jahren durch die Kieler Kommunalpolitik geistert.

Die Hitze der letzten Tage und die seit Monaten andauernde Trockenperiode wären ein Anlass, darüber zu schreiben, wie großartig Kleingärten doch sind. Grüne Oasen, die aufgeheizte, oberflächenversiegelte Städte runterkühlen. Denn gerade jetzt freut man sich darüber, laue Abende auf der Parzelle verbringen zu können, statt in stickigen Stadtwohnungen zu versauern. Eigentlich sind das die schönsten Momente im Kleingarten: Sternenhimmel, schummriges Kerzenlicht, lauschige Musik im Hintergrund - und im Idealfall auch nur ein sehr entferntes Rauschen von Autoverkehr.

Man kann garnicht aufhören, wenn man anfängt das Loblied auf Schrebergärten zu singen: Ob es nun der eigene Ertrag an Bio-Erzeugnissen ist. Oder dass Schrebergärten ein Paradies für Kinder sind, pädagogisch wertvoller als Glotze und Smartphone zusammen. Und nicht nur naturnahe Gärten sind ein Refugium für manch selten gewordene Tierart. Die kleinteilige Vielfalt der Parzellen bietet mehr "Natur" als manch durchgestyltes und pflegeleichtes städtisches Grün.

Gartenparty
Coole Party @ Schrebergarten by night

Feiern kann man da auch, mit Freunden, Familie oder sogar öffentlich, wie z.B. im Mai 2015, als in Gaardener Gärten ein "KulturNatur-Festival" mit Musik, Lesungen, Speis und Trank stattfand.

"... gemeinsam Verantwortung für Kiel übernehmen und Politik machen sozial, nachhaltig innovativ und weltoffen": Knapp zwei Monate nach der Kommunalwahl haben SPD, Grüne und FDP in Kiel einen 35-seitigen Entwurf für einen Kooperationsvertrag für die nächsten 5 Jahre fertig, über den am kommenden Wochenende die jeweiligen Parteigremien entscheiden sollen. Was sind die Ergebnisse hinsichtlich Südspange, Mobilität allgemein und Kieler Stadtgrün? Zusammengefasst findet man wenig Überraschendes, Probleme mit der deutschen Grammatik und möglicherweise einen Hauch von Perestroika.

Ein paar Worte zur Ausgangslage: