"Decke auf, wo Atmen krank macht" - Die mittlerweile weithin bekannte Deutsche Umwelthilfe (DUH) rief im Januar Menschen in ganz Deutschland auf, Orte und Straßen zu benennen, an denen eigene Stickoxid-Messungen durchgeführt werden sollten. Insgesamt 500 Messstellen mit sogenannten Passivsammlern der DUH sollten so im ganzen Bundesgebiet in erster Linie Orte erfassen, die bisher durch das grobe Raster amtlicher Messungen gefallen sind. Es gab aber auch Messpunkte an Straßen, wo schon gemessen wurde. In Kiel waren das der Ziegelteich und die Alte Lübecker Chaussee, wo vom 1. bis zum 28. Februar Messröhrchen hingen.

Zwei Passivsammler der DUH in der Alten Lübecker Chaussee im Februar

Die Ergebnisse des Schweizer Labors, das die Röhrchen auswertete, liegen nun vor. Letztlich waren es sogar 559 Messungen im Bundesgebiet. Und in der Tat wurden 67 neue Stickoxid-Hotspots ausgemacht, bei denen der amtliche Grenzwert von 40 ug/m3 überschritten wurde. Was die aktuelle Belastung im Ziegelteich und der Alten Lü angeht, sind in der Tat frühere Messungen, deren genauer Standort und spätere Werte bisher allerdings detailliert nicht transparent sind, bestätigt worden.

Im Ziegelteich wurden 38,1 Mikrogramm gemessen (Übersichtskarte der DUH). In der Pressemitteilung der DUH heißt es, dass aufgrund der teilweise sehr kalten Witterung die Plastik-Röhrchen ca. 10% zu niedrig gemessen haben. Das konnte anhand vergleichender Messungen an "richtigen" Luftmessstationen festgestellt werden. Für den Ziegelteich hieße das demnach: Werte eindeutig über dem amtlichen Grenzwert. An solchen Messpunkten will die DUH nochmal prüfen. Bereits bei früheren amtlichen Messungen wurde dort der Grenzwert gerissen. Beim "Kleinen Dieselgipfel" Anfang März im Rathaus fragte ein Bürger, warum es dort keine Luftmesstation wie am Theodor-Heuss-Ring gebe. Offensichtlich eine berechtigte Frage.

Bei der Alten Lübecker waren es bei der aktuellen Messung an einer Fußgängerampel an der Kreuzung zur Stormarnstraße "nur" 32,6 Mikrogramm pro Kubkmeter Luft (oder knapp 36 mit 10% Dreingabe), was genau innerhalb der Bandbreite bisheriger bekannter Messungen liegt. Trotzdem ist das ein spannender Wert.

Denn nicht nur im Zuge eines möglichen Fahrverbotes am Theodor-Heuss-Ring verbietet es sich, hier über eine Umleitung des Verkehrs in die Alte Lübecker nachzudenken. Vermutlich wäre sowieso die beste Idee, großräumig einen mindernden Effekt von Tempo 30 zu testen, bevor man auf esoterisch bis bizarr anmutende Maßnahmen wie Mooswände oder Luftschutzmauern setzt.

Vielmehr müsste aber in Hinsicht auf die Prognosen, dass mit einer Südspange der Verkehr in der Alten Lübecker noch einmal bis zu 40% gegenüber 2013 steigen könnte, die Planung gestoppt werden. Solange die Stadt Kiel nicht ihre Hausaufgaben gemacht hat, kurzfristig und langfristig, Stichwort Verkehrswende.

Bei großen Teilen der Stadtpolitik ist diese im Grunde genommen banale Erkenntnis noch nicht angekommen. CDU-Mann Kruber warb noch auch dem Dieselgipfel - wie berichtet - für die Südspange. Und auch der Oberbürgermeister will irgendwo eine Entlastungswirkung der Südspange aufgeschnappt haben ("Ich bin aber kein Experte"). Bei der SPD ist die Dummheit sozusagen Programm, denn als (bisher) einzige Partei hat sie die Projekte Südspange und Ostring II explizit in ihr Kommunalwahlprogramm aufgenommen - gegen Widerstände in der eigenen Partei.

Im Juni will die DUH nach eigenen Angaben ein weiteres Messprogramm starten. Spannende Ergebnisse wird es aber möglicherweise schon vorher geben. Am 6. Mai wird in Kiel gewählt.

 

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